In diesem Betrieb läuft Berufsorientierung so praktisch wie möglich
Wer durch Praktika Erfahrungen gesammelt hat, weiß eher, welcher Beruf zu ihm passt. Eine uckermärkische Firma gibt Schülern diese Möglichkeit. Manchmal wird sogar mehr daraus.
Traumberuf gefunden! Connor Klein beginnt am 1. September eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker in der Kuntsche Heizung-Lüftung-Sanitärtechnik GmbH & Co. KG in Templin. Was ihn in diesem Beruf erwartet, weiß der 16-Jährige schon ziemlich genau.
Praxis an drei Tagen in Betrieben
Er gehört zu den Templiner Oberschülern, die am Projekt „Produktives Lernen“ teilnehmen. Das ist ein Angebot für Jugendliche in Klasse neun und zehn, die zuvor durch schulische Probleme aufgefallen waren. Sie besuchen an zwei Tagen der Woche die Schule und sammeln an drei Tagen Erfahrungen in Betrieben. Für Connor ist das seit geraumer Zeit der Handwerksbetrieb von Nico Kuntsche.
„Wir gehören seit zwei Jahren zu den Partnern der Oberschule“, lässt der Chef des Betriebes wissen. Die Nachfrage von Jörg Strohschein, Lehrer an der Oberschule, der auch das Projekt betreut, ob das Unternehmen dabei sein möchte, habe er sofort positiv beantwortet. „Schülerpraktikanten hatten wir immer. Das ‚Produktive Lernen‛ macht Sinn. Es ist eine gute Ergänzung, jemanden zu finden, der schon längerfristig während der Schulzeit im Betrieb etwas über den Beruf erfährt und erste Erfahrungen sammelt“, so Nico Kuntsche.
Ehrung für ausgezeichnete Berufsorientierung
Das läuft so gut, dass die Kuntsche Heizung-Lüftung-Sanitärtechnik GmbH & Co. KG jetzt als Unternehmen mit ausgezeichneter Berufs- und Studienorientierung geehrt wurde. Die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg, die IHK-Ostbrandenburg und das Netzwerk Zukunft. Schule und Wirtschaft für Brandenburg e. V. vergeben diese Anerkennung gemeinsam. Der Vorschlag kam von Jörg Strohschein und seinen Kollegen an der Schule.
„Die Unterstützung durch Templiner Unternehmen für unsere Schüler ist wichtig“, so der Lehrer. Durch die praktischen Einsätze dort erhalten sie einen sehr guten Überblick, welche Voraussetzungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten man in den verschiedenen Fächern haben sollte, um einen Beruf in der jeweiligen Branche erlernen zu können.
„Zensuren sind nicht alles“
Wenn Nico Kuntsche darüber entscheidet, wer im Betrieb ausgebildet wird, dann schaut er nicht in erster Linie auf die Zensuren, wie er sagt. „Natürlich sind Mathematik und Physik wichtig. Genauso zählen aber auch das Interesse fürs Handwerk, das Auftreten und Zuverlässigkeit.“ Um in Erfahrung zu bringen, wie es damit beim Bewerber um einen Ausbildungsplatz bestellt ist, sei ein längeres Praktikum im Betrieb ein Muss.
„Meine Eltern sind stolz auf mich“
Nico Kuntsche hat keinen Zweifel daran, dass Connor Klein alle notwendigen Voraussetzungen mitbringt. „Ich habe mich sehr gefreut, als die Zusage kam“, sagt der Schüler. Seine Eltern seien auch sehr stolz auf ihn. Gut möglich übrigens, dass Connor das Interesse am Heizungs- und Sanitärbereich von seinem Vater hat. Er arbeitet ebenfalls in diesem Beruf. Bevor der 16-Jährige mit seiner dreieinhalbjährigen Ausbildung beginnt, durfte er im Praktikum Profis im Kundendienst und bei Wartungsarbeiten begleiten. Oder aber auf der Baustelle „Alte Brauerei“ beim Verlegen von Trink- und Abwasserleitungen helfen. Connor Klein ist in Templin zu Hause. Dass er in seiner Heimatstadt auch mit der Berufsausbildung anfängt, findet er „cool“.
„Wir sind ein Familienbetrieb, den es seit 1961 in Templin gibt“, erzählt Nico Kuntsche. Er hat festgestellt, dass das Interesse an einer Ausbildung im Heizungs- und Sanitärbereich in den vergangenen zwei Jahren gestiegen ist. „In diesem Jahr haben wir drei Lehrlinge bei uns. Es scheint so, als ob bei jungen Leuten doch mehr gesehen wird, dass das Handwerk Zukunft hat. Das liegt für unsere Branche ganz sicher an der Energiewende und den damit verbundenen gestiegenen technischen Anforderungen.“